Uneingeladen & Unfiltriert: Ein höchst inoffizieller Rückblick auf die Watches and Wonders 2026
Es gibt zwei Arten, an der Watches and Wonders Geneva 2026 teilzunehmen: mit einem Samtband-Badge um den Hals, oder mit angekratztem Ego und stabiler Internetverbindung. Dieses Jahr finde ich mich eindeutig in letzterer Kategorie wieder.
Aus Gründen, die sowohl bürokratischer als auch karmischer Natur sind, blieb die Einladung aus. Offenbar hat es Konsequenzen, nicht mehr Chefredakteurin eines Printtitels zu sein. Eines Magazins, das rückblickend irgendwo zwischen „ausgewachsenem Scam“ und „kollektiver Halluzination“ angesiedelt war. Dennoch könnte man meinen, meine jahrelangen Verdienste um die Haute Horlogerie hätten zumindest eine Einladung verdient.
Doch Exklusion ist bekanntlich nur ein Geisteszustand. Und WLAN, ebenso wie meine eigene Multimedia-Plattform, deren Inhalte nur per Gerichtsbeschluss entfernt werden können ist für die Ewigkeit. Bekannt ist: wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Auch wenn ich physisch nicht in Genf war, keine Champagner-Empfänge, keine diskreten Termine in überteuerten Messeständen, habe ich dennoch das getan, was jeder selbstrespektierende Branchen-Insider am besten kann: mir aus der Ferne eine fundierte Meinung gebildet. Basierend auf den (wenigen) Pressemitteilungen, die mich dieses Jahr erreicht haben.
Denn wenn es etwas gibt, das langlebiger ist als Schweizer Uhrmacherkunst, dann ist es der unstillbare Drang, sie zu kommentieren.
Das übergeordnete Thema der diesjährigen Neuheiten lässt sich dabei recht klar zusammenfassen: Die Welt wirkt, als würde sie langsam auseinanderfallen und die Uhren spiegeln dies wieder.
Alles in allem präsentieren die meisten Marken dieses Jahr vor allem eines: Kopien bereits existierender Modelle anderer Marken.
Und dann wäre da noch Patek Philippe, die weiterhin versuchen, die Cubitus relevant zu machen. Ein bisschen wie Gretchen in Mean Girls, die verzweifelt versuchte, das Wort „fetch“ zu etablieren obwohl ihr jeder sagte: Das wird nichts.
Bild: ©PatekPhilippe

Die Welt mag also gerade stilvoll in einem handfinissierten, Genfer Streifen-Korb untergehen – und die diesjährigen Neuheiten spiegeln das auf erschreckend elegante Weise wider.
Schauen wir uns das Ganze nun näher an.
Vorab sei gesagt – bevor mir jemand saisonal motivierte Verbitterung unterstellt: Ich bin seit jeher eine entschiedene Gegnerin davon, dass Luxusuhrenmarken Frauen Quarzwerke zu Preisen verkaufen, bei denen selbst ein ewiger Kalender kurz schlucken würde. Viel zu oft wissen die Käuferinnen nicht einmal, dass sich im Inneren kein mechanisches Werk befindet. Und man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die Branche entweder glaubt, Frauen würden es nicht merken, es würde sie nicht interessieren – oder, noch schlimmer, sie hätten es schlicht nicht „verdient“. Keine dieser Annahmen ist besonders schmeichelhaft.
Nach allen Maßstäben – geopolitisch, wirtschaftlich, atmosphärisch – war 2026 ein schwieriges Jahr für die Welt, ein kompliziertes Jahr für die Uhrenindustrie und ein geradezu desaströses Jahr für Damenuhren. Besonders in diesem Segment gleicht vieles einer ästhetisch perfekt inszenierten kreativen Stagnation.
Nichts verdeutlicht das besser als die stille, aber unübersehbare Rückkehr des Quarzwerks bei Damenuhren – dort, wo sich mechanischer Anspruch höflich verabschiedet.
Cartier mit endlos eleganten Varianten der Panthère und der geschwungenen Baignoire – natürlich batteriebetrieben.
Piaget mit retroinspirierten Sixtie-Modellen im Preisbereich von 17.000 bis 23.000 Euro – Quarz, versteht sich.
Bild: ©Piaget

Chanel mit einer Neuinterpretation der Première und kamelienverzierten Kreationen – Couture fürs Handgelenk, Mechanik optional. (Meine unpopuläre Meinung: Modemarken sollten sich auf Kleidung beschränken.)
Bulgari mit Serpenti Tubogas in Quarz-Ausführung.
Bild: ©Bulgari

Van Cleef & Arpels mit poetischen, emaillierten Traumlandschaften – teilweise ebenfalls mit Quarz im Inneren.
Chopard mit funkelnden Erweiterungen der L’Heure du Diamant.
Diese Uhren sind nicht hässlich – im Gegenteil. Viele sind atemberaubend. Aber sie existieren in einem Paralleluniversum, in dem Frauen offenbar Dekoration über Mechanik stellen sollen – zum vollen Preis.
Was mich, um es passend zu formulieren, ziemlich „aufzieht“.
Wenn Déjà-vu eine Komplikation wäre, hätte 2026 eine Grande Complication geliefert. Viele Neuheiten wirken weniger wie Innovationen als wie hervorragend finanzierte Remakes. Gehäuse, Zifferblätter, Farbkonzepte – alles kommt einem verdächtig bekannt vor.
Ein Paradebeispiel: Tudor. Die Marke wirkt weiterhin wie der fleißige kleine Bruder von Rolex – für all jene, die zu ungeduldig sind, auf das Original zu sparen. Black Bay 54? Submariner. Black Bay 58 GMT? GMT-Master II „Pepsi“. Und so weiter.
Bild: ©Tudor

Dann die Égérie Moon Phase Spring Blossom von Vacheron Constantin: underschön, feminin, mechanisch überzeugend, auf 100 Stück limitiert. Endlich eine Damenuhr mit Substanz. Und doch: Optisch erschreckend nah an den Lady Arpels-Modellen von Van Cleef & Arpels. Schön, aber nicht neu.
Bild: ©VacheronConstantin


Piaget wiederum bringt mit der Polo Signature eine verfeinerte Version eines Klassikers: subtil überarbeitet, eleganter, moderner. Und dennoch bleibt das Problem bestehen: Die Polo steht seit jeher im Schatten der Nautilus von Patek Philippe. 1976 vs. 1979 – und man sieht es bis heute.
Bild: ©Piaget
Und dann – endlich – ein Lichtblick: Hublot. Die Marke, die in meinen Augen schlicht nichts falsch macht. Während andere recyceln, erschafft Hublot eigene Welten. In Genf sogar wortwörtlich, mit einer eigenen Hublot-Villa für Gäste. Branding? Konsequenter geht es kaum. (Ich spreche aus Erfahrung – inklusive gebrandetem Pool bei der WM 2022 in Katar.)
Highlight: die Big Bang Impact One Million. 500 Diamanten, rund 44,6 Karat, in Bewegung um ein fliegendes Tourbillon – ein visuelles Spektakel zwischen Haute Horlogerie und Haute Joaillerie. Opulent, kompromisslos, unverwechselbar.
In einem Jahr voller Wiederholungen spricht Hublot als eine der wenigen Marken noch mit eigener Stimme.
Bild: ©Hublot

Fazit: Die Welt gerät ins Wanken, die Uhrenindustrie spielt auf Sicherheit, Frauen bekommen weiterhin Quarz mit Diamantenaufschlag – und echte Innovation bleibt die Ausnahme.
Und ich? Ich werde weiterhin pointierte, zunehmend unfreundliche und selbstverständlich völlig ungefragte Rückblicke schreiben… bis meine Einladung zur Watches and Wonders ganz plötzlich wieder auftaucht, gemeinsam mit meinem ausgerolltem, roten Teppich.