Es war einmal… in einem Leben, das sich inzwischen wie eine frühere Mode-Epoche anfühlt, da war ich Chefredakteurin eines Modemagazins. Der Job brachte zahlreiche glamouröse Pflichten mit sich: Modenschauen besuchen, aufwendige Editorial-Shootings produzieren und vor allem Luxusmarken charmant, hartnäckig und gelegentlich verzweifelt um Werbegelder bitten. Vor allem aber hat er mir eine Erkenntnis hinterlassen, die bis heute gilt: Stil hat erstaunlich wenig damit zu tun, wie viel Geld jemand ausgibt und sehr viel damit, wie gut jemand sich selbst versteht.
Ein wirklich stilvoller Mensch trägt seine Persönlichkeit nach außen. Kleidung, Schmuck und Uhren sind dabei lediglich Werkzeuge. Das Ergebnis sollte natürlich wirken, schmeichelhaft sein und unverkennbar zu der Person gehören, die es trägt. Gewissermaßen das visuelle Äquivalent zu einem festen Händedruck und einem guten Sinn für Humor.
Natürlich helfen Marken und Geld. Ein perfekt geschnittenes Sakko hat noch niemandem geschadet. Doch Stil selbst lässt sich nicht kaufen. Er entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, sich so zu kleiden, wie sie sind und nicht so, wie ein Schaufenster es ihnen nahelegt.
Die interessantesten Menschen sind modisch selten die Berechenbarsten. Es sind jene, die keine Angst vor Farbe, Struktur, ungewöhnlichen Schnitten oder dem gelegentlichen Kleidungsstück haben, bei dem man sich kurz fragt, ob sie sich vielleicht im Dunkeln angezogen haben … bis man merkt, dass genau das der Plan war.
Wien, eine Stadt, die es wie kaum eine andere versteht, eine gewisse „Wiener“ Eigenart mit einer gesunden Portion Exzentrik zu verbinden, ist voll von solchen Persönlichkeiten. Manche setzen auf klassische Eleganz, andere auf modernen Esprit und wieder andere auf eine großzügige Dosis Sexappeal.
Die folgende Liste würdigt genau diese Menschen: Vienna‘s Best Dressed. Nicht weil sie Trends folgen, sondern weil sie sie mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit ignorieren.
Manche Männer tragen Anzüge. Reza Akhavan bewohnt sie.
Seine Ästhetik lässt sich am treffendsten als italienischer Chic trifft Immobilien-Tycoon beschreiben: eine Kombination, die erstaunlich gut funktioniert, wenn sie mit jener Souveränität und Präzision getragen wird, die Reza auszeichnet. Maßschneiderei bildet das Fundament seiner Garderobe, und nahezu alles, was er trägt, ist bespoke.
Besonders bekannt ist er für seine doppelreihigen, fein gestreiften Anzüge, die er mit einer Selbstverständlichkeit trägt, die den Look weniger wie Mode und mehr wie eine persönliche Signatur wirken lässt. Dazu kommen perfekt gefertigte Loafer aus den exotischsten Ledern der Welt sowie eine Auswahl außergewöhnlich schöner Uhren. Die Botschaft ist klar: Raffinesse ist hier kein Zufall, sondern Programm.
Was Reza jedoch besonders interessant macht, ist, dass seine Eleganz nie steif wirkt. Er hat keine Angst davor, auch Spaß mit Mode zu haben. Ich habe ihn persönlich schon in sehr kurzen Seidenshorts im Gucci-Monogramm gesehen, kombiniert mit einem passenden Seidenhemd. Ein Look, der die meisten Männer in Panik versetzen würde, auf ihm jedoch vollkommen selbstverständlich wirkte.
Der Gesamteindruck ist jener kultivierter Lässigkeit. Reza kleidet sich nicht nur gut, er strahlt eine polierte Selbstsicherheit aus, die jedes seiner Outfits wie die einzig logische Wahl erscheinen lässt.
Und Stil liegt offenbar in der Familie. Sein Sohn Adrian hat kürzlich seine eigene Sonnenbrillenmarke gegründet: See True Gasses — ein weiterer Beweis dafür, dass das ästhetische Gespür der Familie Akhavan offenbar vererbbar ist.

Meiner bescheidenen Meinung nach ist Sylvie Utudjian die bestgekleidete Frau Wiens. Punkt.
Es gibt stilvolle Menschen und dann gibt es jene, bei denen Stil scheinbar buchstäblich durch die Adern fließt. Sylvie gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Sie ist regelmäßig in den Front Rows von Häusern wie Schiaparelli anzutreffen. Nicht als jemand, der der Mode hinterherläuft, sondern als jemand, der ganz selbstverständlich Teil dieser Welt ist.
Ihre Ästhetik lässt sich am ehesten als Victoria-Beckham-eske Eleganz beschreiben: poliert, präzise und mit makelloser Schneiderkunst umgesetzt. Sylvie versteht die stille Kraft einer perfekten Passform. Weit geschnittene Hosen, die exakt so fallen, wie sie sollen, wunderschön geschnittene Kleider, klare Silhouetten und ein müheloses Gefühl für Proportionen prägen ihre Garderobe.
Anders als viele Anhängerinnen minimalistischer Tailoring-Ästhetik scheut sie jedoch nicht vor Farbe zurück. Wenn sie Farbe einsetzt, geschieht dies mit derselben Sicherheit und Eleganz, die auch den Rest ihres Stils auszeichnet. Auf dem Bild oben trägt sie ein Leder-Top von Magda Butrym, den Spiral-Rock von Phoebe Philo, Heels von McQueen sowie eine Tasche von Balenciaga.
Das Ergebnis ist ein Stil, der elegant, cool, chic und ausgesprochen sophisticated wirkt. Eine Art des Sich-Kleidens, die niemals angestrengt oder trendgetrieben erscheint. Es sieht einfach immer richtig aus.
Und während ich zugeben muss, dass ich ein gewisses Maß an stilistischer Bewunderung für Sylvie empfinde, liegt der wahre Grund, warum sie heraussticht, woanders: Sie ist nicht nur außergewöhnlich gut gekleidet, sondern auch ein außergewöhnlich freundlicher Mensch. Eine Kombination, die in der Mode wie im Leben, die eleganteste von allen ist.

Die meisten kennen Nuriel Molcho als Teil der NENI-Gastronomie-Dynastie. Ich hingegen denke bei ihm zunächst an etwas anderes: an den Sohn eines der charismatischsten Männer überhaupt: Sammy Molcho, den legendären Pantomimen, dessen Bühnenpräsenz, Talent und unverwechselbare Eleganz ihn zu einer Ikone gemacht haben. Zum Glück hat Nuriel nicht nur den kreativen Geist, sondern offenbar auch das Stilgefühl seines Vaters geerbt.
Neben der Gastronomie ist er auch Gründer und Designer von Nomade Moderne, seiner eigenen Linie handgefertigter Hüte. Diese Stücke sind längst zu einem festen Bestandteil seiner Garderobe geworden und werden von ihm mit jener Selbstverständlichkeit kombiniert, die nur Menschen besitzen, die genau wissen, dass Accessoires oft den entscheidenden Unterschied machen.
Sein persönlicher Stil lässt sich am besten als nomadisch beschreiben. Stark geprägt von seinen ethnischen Wurzeln und seiner Herkunft besteht seine Garderobe aus natürlichen Materialien, allen voran Leinen, und aus Silhouetten, die gleichzeitig entspannt und bewusst gewählt wirken. Sein wohl markantestes Markenzeichen sind Haremshosen in unterschiedlichsten Materialien und Farben, ein Kleidungsstück, das man inzwischen fast automatisch mit ihm verbindet.
Auf dem Bild oben trägt er eine Hose von Haider Ackermann, kombiniert mit einem Hemd von Hannibal sowie den berühmten Husarenstiefeln von Ludwig Reiter. Genau jenen ikonischen Stiefeln, die durch ihren Auftritt in Inglourious Basterds weltweit Aufmerksamkeit erlangten und die österreichische Traditionsmarke international bekannt machten.
Wer Nuriels eklektischen Stil nachempfinden möchte, sollte sich zwei Wiener Adressen merken: The Treasury, das eine beeindruckende Auswahl japanischer Stücke neben europäischen Designern führt, sowie Backyard Archive, ein wahres Paradies für Sammler von Haider-Ackermann-Runway-Pieces.
Wie bei den besten persönlichen Stilen wirkt auch Nuriels Garderobe weniger wie ein kuratiertes Outfit als vielmehr wie eine gelebte Philosophie: entspannt, kultiviert und unverwechselbar individuell.
Bild: ©NurielMolcho

Manche Menschen entwickeln Stil mit der Zeit. Andere scheinen bereits damit aufgewachsen zu sein. Xenia Rybina gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Aufgewachsen in einem internationalen Umfeld und ausgebildet an der Vienna International School bewegt sie sich mühelos zwischen Kulturen und Städten. Ihr Leben spielt sich zwischen Paris, Moskau und Wien ab, ein Dreieck an Einflüssen, das sich subtil auch in ihrer Art zu kleiden widerspiegelt.
Ihre Ästhetik vereint diese Welten auf bemerkenswert harmonische Weise. In ihrem Stil liegt etwas unverkennbar Slawisches: eine gewisse Opulenz, Weiblichkeit und Präsenz, die an die Eleganz einer russischen Matrjoschka erinnert. Gleichzeitig wird diese Wirkung durch eine bohemienhafte Leichtigkeit gebrochen: fließende Silhouetten, entspannte Materialien und eine Nonchalance, die verhindert, dass der Look jemals zu formell wirkt.
Das Ergebnis lässt sich am treffendsten als Russian Doll meets Boho Chic beschreiben: dekorativ und doch lässig, feminin und gleichzeitig kosmopolitisch.
Auch bei ihren Lieblingsmarken folgt sie nicht dem Offensichtlichen. Statt der üblichen Luxusverdächtigen greift sie zu Labels, die eher wie gut gehütete Geheimnisse wirken, wobei ich einige davon dennoch herausfinden konnte: Marina Eerrie, Sorella Era, Daniil Antsiferov und Nensi Dojak. Marken, die perfekt zu ihrem Geschmack für Mode passen, die eigenständig, leicht unter dem Radar und intellektuell interessant ist.
Xenia hat außerdem eine besondere Leidenschaft für archivierte Mode. Sie sammelt Stücke, oft Vintage, mit dem Blick einer Frau, die verstanden hat, dass großer Stil selten mit dem Neueste zu tun hat, sondern mit dem Zeitlosen.
Ein solcher Stil funktioniert nur, wenn er authentisch ist. Bei Xenia ist er genau das.
Bild: ©XeniaRybina
Love her or hate her – eines ist unbestreitbar: Angelika Rosam weiß, wie man sich kleidet.
Als Herausgeberin von Falstaff, einer der erfolgreichsten Lifestyle-Publikationen Österreichs, bewegt sie sich selbstverständlich im öffentlichen Rampenlicht und versteht es ausgezeichnet, diese Bühne auch modisch zu nutzen. Groß, schlank und mit jener Selbstsicherheit ausgestattet, die aus Erfolg und Erfahrung entsteht, ist Angelika genau jene Art von Frau, von der Designer insgeheim hoffen, dass sie ihre Entwürfe trägt: der perfekte „Kleiderbügel“.
Und ja, sie verfügt auch über die Mittel, eine ernsthafte Leidenschaft für Mode auszuleben. In ihrem Fall scheint Geld nicht nur Kleidung gekauft zu haben, sondern auch bemerkenswert guten Geschmack. Wobei wir wohl nie erfahren werden, wie ihre Garderobe aussehen würde, wäre sie nicht eine der erfolgreichsten Verlegerinnen des Landes.
Was ihren Stil besonders interessant macht, ist seine Bandbreite. Angelika hat die Beine für einen kurzen Rock und sie hat keinerlei Scheu, sie zu zeigen. Warum auch? Gleichzeitig wechselt sie mühelos zwischen elegantem Kleid, präzise geschnittenem Hosenanzug oder einem selbstbewussten Lederlook.
Bemerkenswert ist außerdem etwas anderes: Sie ist das lebende Beispiel dafür, dass manche Menschen scheinbar rückwärts und gleichzeitig nach oben altern. Angelika Rosam wirkt mit jedem Jahr noch ein wenig besser, und ihr Stil entwickelt sich genau so souverän mit.
Wenn Österreich eine offizielle Botschafterin für die Welt der Luxusmarken hätte, wäre Caroline van Kelst eine naheliegende Kandidatin und sie kleidet sich auch entsprechend.
In ihrer Arbeit im PR-Bereich einiger der renommiertesten Marken der Branche lebt sie gewissermaßen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Modewelt, und ihre Garderobe spiegelt diese Nähe mit beeindruckender Selbstverständlichkeit wider. Ihr Stil ist poliert, aber nie steif. Elegante Kleider, häufig von Petar Petrov, bilden das Fundament ihrer Looks und werden oft mit exquisiten Stücken von Schullin Wien Fine Jewellery kombiniert. Eine Kombination, die Raffinesse und Selbstbewusstsein vermittelt, ohne je überinszeniert zu wirken.
Natürlich hilft eine gute Figur, und Caroline verfügt über das, was Mode-Redakteure höflich als „excellent proportions“ bezeichnen würden: eine großartige Silhouette und Beine, die perfekt geschnittene Kleider besonders gut zur Geltung bringen.
Ein weiteres Markenzeichen ist ihr perfekt frisiertes kurzes Haar: so präzise und wiedererkennbar, dass es längst Teil ihrer visuellen Identität geworden ist. Kris Jenner kann sich an dieser Stelle also getrost geschlagen geben.
Der Gesamteindruck ist eindeutig: elegant, aber cool; gepflegt, aber entspannt. Carolines Stil vermittelt Wohlstand und Geschmack, ohne jemals auch nur ansatzweise langweilig zu wirken. Eine Balance, an der viele scheitern und die nur wenige wirklich beherrschen.

Manche Designer beginnen ihre Karriere in Ateliers in Paris oder Mailand. Brandan Josh begann in einem kleinen Schlafzimmer in Österreich: mit einer Nähmaschine, einem Stapel gebrauchter Kleidungsstücke und einer sehr klaren Vision.
Sein ursprüngliches Ziel war so simpel wie sympathisch: jener kreative Held zu werden, zu dem er selbst als Kind aufgesehen hat. Statt bei Null zu beginnen, entschied er sich für Upcycling als Medium – ausrangierte Kleidungsstücke erhalten bei ihm ein zweites Leben und verwandeln sich in etwas völlig Neues. Was als Experiment begann, entwickelte sich schnell zu einer echten Obsession. Mit jedem Jahr verfeinerte Brandan seine handwerklichen Fähigkeiten und entwickelte eine immer klarer erkennbare visuelle Designsprache.
Sein Stil speist sich stark aus den Welten seiner Kindheit: aus Cartoons und Anime, von Pokémon bis Yu-Gi-Oh. Diese Einflüsse zeigen sich nicht nur in den Kleidungsstücken selbst, sondern auch in der Art, wie er sie inszeniert. Brandans Bildbearbeitung ist bewusst überzeichnet, verspielt und fast surreal. Eine visuelle Ästhetik, die direkt aus den fantastischen Welten stammt, die ihn geprägt haben.
Das Ergebnis ist ein Universum irgendwo zwischen Animation und dystopischer Modefantasie. Stilistisch erinnert vieles an Mad Max: rau, erfinderisch, leicht anarchisch und zusammengesetzt aus Teilen, die scheinbar bereits mehrere Leben hinter sich haben.
Brandan ist außerdem eine Hälfte eines äußerst stilvollen Power-Couples. Seine Freundin Nati Lika ist jene Make-up-Artistin, die für die markanten Beauty-Looks von Nina Chuba verantwortlich zeichnet. Zusammen bilden sie ein kreatives Duo, das in Sachen Ästhetik und visuellem Ausdruck definitiv zu den spannendsten gehört.
Bild: ©SimonRaychl

Wenn Tiflis das neue Paris ist und der georgische Einfluss auf die High Fashion spätestens seit Demna Gvasalia nicht mehr wegzudenken ist, dann beweist Nina Goguadze Zayed vor allem eines: Stil ist keine Frage des Budgets, sondern der Haltung. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sie auch die Ex-Frau des Stylisten Sammy Zayed ist: was dem modischen Feingefühl sicherlich nicht geschadet hat.
Ausgebildet in Mailand und Florenz trägt sie die Präzision italienischer Designtradition ganz selbstverständlich in sich. Man könnte beinahe glauben, sie sei die Tochter von Miuccia Prada, wäre da nicht gleichzeitig diese poetische, leicht intellektuelle Coolness, die unweigerlich an Dries Van Noten erinnert (den sie auf dem abgebildeten Bild auch trägt und der zu ihren Lieblingsdesignern zählt).
Es ist fast so, als wäre Miuccia die Mutter und Dries der Vater dieser Ästhetik: italienische Klarheit trifft auf belgische Poesie, zusammengehalten von einem Hauch Pariser Geist. Gekrönt und akzentuiert wird das Ganze durch sorgfältig ausgewählte Vintage-Accessoires, die ihren Looks Tiefe und Individualität verleihen.
Nichts an Ninas Stil wirkt kalkuliert. Alles scheint einfach zu funktionieren. Unprätentiös und gleichzeitig vollkommen selbstbewusst.
Eigentlich müsste sie Personal Stylistin sein. Fashion Consultant. Oder ihr eigenes Label gründen. Bis dahin bleibt sie eine jener seltenen Persönlichkeiten, die keinen Trend brauchen, um selbst zur Referenz zu werden.
Bild: ©NinaGoguadzeZayed

Erinnert ihr euch an jene ikonische Balenciaga-Show, bei der die Models durch einen künstlichen Schneesturm marschierten? Leicht apokalyptisch, ein wenig rebellisch und dabei vollkommen fabelhaft? Genau diese Ästhetik, dramatisch, modern und im besten Sinne ein bisschen chaotisch, kommt dem Stil von Sarah Bzoch wohl am nächsten.
Sarah ist von Beruf Make-up-Artistin, was bereits einiges erklärt. Kreativität ist buchstäblich ihr tägliches Geschäft, und das spiegelt sich auch in ihrer Herangehensweise an Mode wider. Ihr Stil entzieht sich einer klaren Kategorisierung: was erfahrungsgemäß das sicherste Zeichen dafür ist, dass jemand tatsächlich einen eigenen hat.
Am ehesten lässt sich ihr Look als moderne, eklektische Mischung beschreiben, die aus verschiedenen Welten schöpft. Ein Hauch Grunge und Punk-Attitüde trifft auf eine Prise K-Pop-Energie, gelegentlich schimmert sogar etwas durch, das direkt aus Sailor Moon stammen könnte. Allerdings gefiltert durch eine erwachsene, modebewusste Perspektive.
Das Ergebnis ist verspielt, leicht rebellisch und unverkennbar zeitgenössisch. Sarah kleidet sich mit dem Selbstverständnis von jemandem, der genau weiß, dass Mode niemals zu sicher sein sollte.
Ihre Lieblingsmarken passen perfekt zu diesem Ansatz: Balenciaga, Vetements, Gucci, Jacquemus und Otto Linger. Letzteres ein Label, das man unbedingt googeln sollte, wenn man verstehen möchte, in welchem modischen Universum Sarah sich bewegt.
In einer Stadt, die häufig mit klassischer Eleganz assoziiert wird, bringt Sarah etwas Erfrischendes: eine gute Portion modernen, leicht subversiven Coolness.
Bild: ©SarahBzoch
Wenn Styling der eigene Beruf ist, ist guter Geschmack keine Option, sondern Teil der Jobbeschreibung. Zum Glück für Wien besitzt Julia Eisenburger davon mehr als genug.
Als Stylistin verdient Julia buchstäblich ihren Lebensunterhalt damit, zu verstehen, was funktioniert, was nicht und warum. Tatsächlich zieht sich ihr Einfluss durch diese Liste sogar mehrfach: Sie ist auch für die Garderobe von zwei der hier genannten Männer verantwortlich. Man könnte sagen, sie ist die stille Architektin hinter einigen der bestgekleideten Persönlichkeiten Wiens.
Doch Julias eigener Stil ist deutlich komplexer als eine einfache Tailoring-Geschichte. Am treffendsten lässt er sich als faszinierende Mischung aus Bohemian Chic à la Jane Birkin und italienischer, fast industrieller Klarheit beschreiben. Der Look wirkt mühelos, natürlich und gleichzeitig sehr bewusst komponiert.
Die Birkin-inspirierte Bohème zeigt sich in entspannten Silhouetten, natürlichen Materialien und einer gewissen Nonchalance, als hätte sich alles ganz zufällig zusammengefügt. Gleichzeitig durchbricht eine italienisch-industrielle Ästhetik diese Weichheit: klare Linien, strukturierte Elemente und eine urbane Präzision, die an die Mailänder Designtradition erinnert.
So entsteht ein spannender Kontrast zwischen lässiger Bohème und einer präzisen, fast architektonischen Formensprache. Ein Stil, der ungezwungen, kultiviert und ausgesprochen sophisticated wirkt. Eine Balance aus Pariser Bohème, italienischem Designbewusstsein und urbaner Coolness… mit einem ganz leichten Schuss Mafia.
Bild: ©JuliaEisenburger

Über ihre Instagram-Seite Karolina’s Fairy Tale dokumentiert Karolina Zubkova Mattes ein Leben, das genau so aussieht, wie der Name verspricht: glamourös, funkelnd und vollkommen unapologetically luxurious. Sie verkörpert die moderne Version jener Society-Figur, die genau verstanden hat, dass Mode Spaß machen darf: ein wenig Theater enthalten sollte und idealerweise mit sehr gutem Champagner einhergeht.
Ihr Stil bewegt sich eindeutig im Bereich von High Glamour und Sex Appeal. Man denke an sexy Silhouetten, strahlende Farben und Looks, die garantiert nicht unbemerkt bleiben. Alles ist teuer, ja – doch entscheidender ist, mit welcher Selbstverständlichkeit und Freude sie diese Mode trägt. Karolina kleidet sich wie jemand, der weiß, dass das Leben zumindest teilweise eine Bühne ist und der absolut nicht vorhat, darin in der zweiten Reihe zu stehen.
Auf dem hier gezeigten Bild trägt sie einen auffälligen Komplettlook von Schiaparelli, kombiniert mit einer Uhr von Richard Mille, Schmuck von Cartier und Ohrringen von Saint Laurent. Eine Kombination, die ihre persönliche Mischung aus mutigem Glamour und kompromisslosem Luxus perfekt auf den Punkt bringt.
Und während Handtaschen, Diamanten und Couture natürlich ihren Beitrag leisten, bleibt ihr charmantestes Accessoire zweifellos ihr Ehemann, der in Karolinas sehr stilvollem Märchen ganz offensichtlich die Rolle des Prinzen übernommen hat.
Bild: ©IrinaShainova
David Worthmann gehört zu jener seltenen Sorte Unternehmer, die Erfolg mit bemerkenswerter Gelassenheit tragen. Souverän im Auftreten, präzise im Detail und konstant auffallend gut gekleidet.
Sein Talent liegt weniger im großen Auftritt als im richtigen Gespür: Ideen erkennen, Chancen sehen und Start-ups genau zum richtigen Zeitpunkt unterstützen. Branchen spielen dabei kaum eine Rolle. Entscheidend ist sein Instinkt: die Fähigkeit, Potenzial zu erkennen, lange bevor es für alle anderen sichtbar wird.
Sein Zugang zur Mode folgt einer ähnlich klaren Philosophie. Worthmann bevorzugt monochrome Looks, reduziert, elegant und bis ins Detail durchdacht. Seine Garderobe wirkt ruhig und kontrolliert, mit jener stillen Selbstsicherheit, die nicht laut werden muss, um bemerkt zu werden.
Statt klassischen Businessformeln folgt er subtilen Neuinterpretationen der Schneiderkunst. Anzüge kombiniert er gern mit offenem Hemd oder feinem Rollkragen, wodurch ein Look entsteht, der modern wirkt, ohne sich anzustrengen. Bei den Schuhen reicht die Bandbreite von präzisen Chelsea Boots bis hin zum gelegentlichen Samtloafer.
Der Gesamteindruck ist jener kultivierter Zurückhaltung. Ein Beweis dafür, dass wahrer Stil selten im Übermaß liegt, sondern im richtigen Moment aufzuhören.
Bild: ©DavidWorthmann
Manche Menschen besitzen eine großartige Garderobe. Ivana Essl hat etwas noch Besseres: jenes Gesicht und jene Ausstrahlung, die fast alles gut aussehen lassen würden. Wenn wir ehrlich sind, vermutlich sogar in einem Müllsack.
Zum Glück muss sie diese Theorie selten testen. Als Model und regelmäßiger Gast auf internationalen Fashion Weeks bewegt sich Ivana ganz selbstverständlich in der Welt der High Fashion, und ihre Garderobe spiegelt diese Nähe deutlich wider. Ihr Stil bewegt sich klar im Bereich von Sex Appeal und kompromisslosem Luxus, mit einer besonderen Vorliebe für Schiaparelli und einer Handtaschensammlung, die offenbar ein sehr inniges Verhältnis zu Hermès pflegt.
Man könnte, rein hypothetisch natürlich, vermuten, dass der Umfang ihrer Garderobe und ihre Leidenschaft für Hermès-Taschen selbst die finanzielle Belastbarkeit eines sehr engagierten Ehemannes gelegentlich auf die Probe stellen könnten. Aber wenn wir ehrlich sind: Wenn es so gut aussieht, fällt es schwer, gegen diese Investition zu argumentieren.
Ivanas Ästhetik ist mutig, glamourös und unverkennbar teuer. Sie kleidet sich mit der Selbstverständlichkeit einer Frau, die genau weiß, wie Mode funktioniert und wie sie für sich selbst am besten funktioniert.
Elisabeth Gürtler
Jede große Stadt hat ihre Grand Dame und in Wien wird diese Rolle sehr überzeugend von Elisabeth Gürtler ausgefüllt.
Als Geschäftsführerin des legendären Hotel Sacher steht sie an der Spitze einer der ikonischsten Institutionen der Stadt: mit genau jener Eleganz und ruhigen Autorität, die auch ihren persönlichen Stil prägt. Wenn Mode diplomatische Ränge hätte, wäre Elisabeth zweifellos Botschafterin der klassischen Wiener Eleganz.
Ihre Garderobe ist eine Lehrstunde in zurückhaltender Raffinesse. Dezente Silhouetten, hervorragend geschneiderte Stücke und ein selbstbewusster Umgang mit Farbe prägen ihren Look. Elisabeth kleidet sich mit der Gewissheit einer Frau, die genau weiß, dass wahre Eleganz niemals laut sein muss.
Nicht selten sieht man sie auch in traditioneller österreichischer Tracht: eine Hommage an Herkunft und Kultur, die bei ihr niemals folkloristisch wirkt. In ihren Händen werden diese nationalen Kleidungsstücke zu einem ebenso gepflegten wie würdevollen persönlichen Uniformstil.
Ihre Hingabe an ihren eigenen Stil ist kompromisslos. Als ich sie einmal bat, auf dem Cover eines Magazins zu erscheinen, sagte sie unter einer Bedingung zu: Sie würde sich selbst stylen. Keine Stylisten, keine Einmischung. Keine Diva-Attitüde, sondern schlicht das Selbstbewusstsein einer Frau, die genau weiß, wer sie ist und wie sie gesehen werden möchte.
Das Ergebnis ist ein Stil von fast königlicher Beständigkeit. Wäre die Queen of England auf der Wiener Ringstraße geboren und mit Sachertorte groß geworden, hätte sie sich vermutlich sehr ähnlich gekleidet wie Elisabeth Gürtler.